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After the Fall - Europa nach 1989 |
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Festivals
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Europäisches Theaterfestival in Dresden und Mülheim vom 31.10. bis 8.11.
Der Fall der Mauer am 9. November 1989 löste über Deutschland hinaus in ganz Europa grundlegende gesellschaftliche und politische Veränderungen aus. 20 Jahre danach beleuchtet „After the Fall“, das europaweite Theaterprojekt des Goethe-Instituts, die Auswirkungen dieses Umbruchs auf Deutschland und Europa: 17 Dramatiker in ganz Europa schrieben Theaterstücke über den gesellschaftspolitischen Wandel in ihrer Heimat, in 15 Ländern zeigen Theater vor Ort die neuen Stücke: Vom 31. Oktober bis 8. November präsentieren das Goethe-Institut, das Staatsschauspiel Dresden und das Theaterbüro Mülheim an der Ruhr sieben der 17 Inszenierungen auf einem europäischen Theaterfestival.
Gezeigt werden: „Gegenmittel“ (Antidot) von Nicoleta Esinencu aus der Republik Moldau: Abstumpfung gegenüber Gewalt, Waffen und Krieg. Töten als Mittel politischer Manipulation. Dunkel ist die Welt vor und nach dem Mauerfall in dem Theaterstück „Antidot”. Die Republik Moldau wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion unabhängig, doch Esinencu beschreibt ein Land am Rande Europas, in dem die alte Mentalität und der Zynismus der Mächtigen unverändert weiterleben (31.10./1.11. Dresden, 4.11. Mülheim). „Die Mauer“ (Zidul) von Theodora Herghelegiu aus Rumänien: Groteske Alltagsdialoge, die gescheiterte Protestaktion einer jungen Theatergruppe und das gemeinsame Anstimmen eines rumänischen Volksliedes sind die Teile des Triptychons „Zidul”. Teodora Herghelegiu beschreibt in ihrem Stück die rumänische Gesellschaft als eine zutiefst zerrissene, in der die Verletzungen der Diktatur nicht vernarbt sind und soziale Ideen von Gleichgültigkeit verdrängt werden. Zugleich reflektiert das Stück die Situation des rumänischen Gegenwartstheaters, das seine Rolle als kritischer Spiegel der Gesellschaft verloren hat (8.11. Dresden, 6.11. Mülheim). „WennMädchentötenkönnten“ (Omflickorkundedöda) von Asa Lindholm aus Schweden: In ihrer Komödie zeigt die Autorin, was es bedeutet, heute als junge Frau in einem Land zu leben, das in der Gleichberechtigung führend ist. Die drei Protagonistinnen erlebten gemeinsam eine Bullerbü-Kindheit ohne Sorgen und finden sich nun als Erwachsene mit gewaltigen Lebenskrisen konfrontiert - die geboren wurden aus vielen Möglichkeiten und vielen falschen Entscheidungen: „Wir haben alles, und wir wählen und wählen und wählen und trotzdem wählten wir das Falsche“ (5.11. Dresden). „Die Geschichte der Zukunft“ (Fremtidens Historie) von Christian Lollike aus Dänemark: In der „Geschichte der Zukunft” spürt Christian Lollike einer seit 1989 zunehmend unübersichtlicheren Welt nach. Fünf Schauspielerinnen springen in schneller Folge in jeweils benötigte Figuren und Situationen und arbeiten mit einer Montage von theoretischen Abhandlungen, journalistischen Reportagen, philosophischen Diskursen, Reklameslogans und Filmzitaten. Sie erfinden, behaupten, erzählen und spielen eine Welt von unbegrenzten Möglichkeiten. Das Spiel wirft ein Schlaglicht auf den Komplex von Kunst, Leben, Armut, Reichtum, West und Ost, Multikulturalität, Glauben und Terror (4.11. in Dresden, 1.11. in Mülheim). „Der Fälscher“ (Falsifikator) von Goran Markovic aus Serbien: Goran Markovic fahndet in „Falsifikator” nach den Ursachen des Zerfalls von Jugoslawien nach 1989 und kehrt dabei zurück zu den Zeiten unter Tito. Sein Stück beschreibt am Beispiel des idealistischen Fälschers Adelko anspielungsreich das Scheitern der jugoslawischen Utopie des Dritten Weges. Zurück bleibt eine Gesellschaft ohne Ideale und voller Gewalt. Eine Komödie des Niedergangs und ein Stück Ursachenforschung über die Schwierigkeiten, mit denen das Land auch heute noch kämpft (6.11. Dresden). „Warten auf den Türken“ (Czekajac na Turka) von Andrzej Stasiuk aus Polen: Am alten Grenzübergang zwischen Polen und der Slowakei treffen ehemalige Schmuggler, junge und alte Grenzwächter und eine Kioskverkäuferin aufeinander. Die Runde repräsentiert Typen und Generationen der heutigen Polen und ihre Wahrnehmung von der Wende. Sie schwanken zwischen der Sehnsucht nach alter Ordnung und einer neuen verheißungsvollen Zukunft und fürchten sich vor „Babylon”, das unablässig an ihr „Karpatentor” klopft. Eine böse Farce, die an die Tabus der polnischen Gesellschaft rührt und die Sehnsucht nach der Vergangenheit und die falschen Versprechungen der Zukunft aufs Korn nimmt (2.11. Dresden, 5.11. Mülheim). Das Festival wird am 31. Oktober in Dresden mit der Uraufführung von Dirk Lauckes „Für alle reicht es nicht“ eröffnet: Das Paar Jo und Anna findet auf seinen krummen Wegen in der ehemaligen DDR einen Lastwagen mit chinesischen Flüchtlingen und weiß nicht so recht, was mit ihnen anzufangen ist. „Für alle reicht es nicht” ist kein Stück über die Wende, sondern über die Not, heute sein Auskommen zu finden. „Die Mauer steht noch. Sie ist nur nach außen gerückt,” so der Autor (31.10. Dresden, 3.11. Mülheim). Das Festivalprogramm wird gegebenenfalls noch um weitere „After the Fall”-Produktionen ergänzt; das Projekt wird außerdem ausführlich im Internet dokumentiert: Die Website www.after-the-fall.eu bietet Theater- und Autorenporträts, Hintergrundinformationen über die Theaterszenen der beteiligten Länder, Interviews und Textauszüge. Begleitend zu den Gastspielen veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung eine Vortragsreihe: Jens Bisky, Heinz Bude, Friedrich Dieckmann, Klaus Dörre, Hilal Sezgin und andere sprechen darüber, wie von einer Revolution zu erzählen ist, welche sozialen Spaltungen in Europa seit 1989 zu beobachten sind, wie sich Mauerfall und Einheit auf die in Deutschland lebenden Migranten ausgewirkt haben oder was das Ende des Kalten Krieges für die Entwicklungsländer bedeutete. Schulworkshops und ein eintägiges Symposium in Dresden zur internationalen Zusammenarbeit im Theater vervollständigen das Programm.
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