|
Festivals
|
Premiere von Porsiles „Spartakus“
Höhepunkt beim Barockfest des Heidelberger Theaters im Rokokotheater des Schwetzinger Schlosses vom 6. Dezember bis 14. Februar unter der Künstlerischen Leitung von Bernd Feuchtner ist diesmal die Premiere von Giuseppe Porsiles Oper „Spartakus“, die unter der Leitung von Michael Form (und mit dem in historischer Aufführungspraxis geschulten Philharmonischen Orchester) zum ersten Mal seit der Wiener Erstaufführung wieder auf einer Bühne zu sehen ist.
Porsiles Werk über den legendären Anführer des römischen Sklavenaufstands, unter Musikwissenschaftlern seit langem ein Geheimtipp, ist zum Karneval 1726 für den kaiserlichen Hof in Wien entstanden; damit wird dem Publikum in Schwetzingen in diesem Jahr - nach den drei Vivaldi-Opern „Motezuma“, „Die Olympiade“ und „Tito Manlio“ - eine neapolitanische Oper vorgestellt. Der Regisseur der Produktion, Michael von zur Mühlen, gab sein Heidelberger Debüt mit Puccinis „Bohème“ und inszenierte zuletzt Wagners „Fliegenden Holländer“ am Leipziger Opernhaus. Die Ausstattung zu „Spartakus“ schuf Ben Baur, der zuletzt mit seinem Bühnenbild zu Henzes „Phaedra“ auf sich aufmerksam machte. Premiere ist am 6. Dezember im Schwetzinger Rokokotheater - die renommierte Musikwissenschaftlerin Silke Leopold hält an diesem Tag um 17.00 Uhr einen Festvortrag zum Thema „Die letzten Tage des Spartakus“ und wird dabei die Frage aufwerfen, warum das Werk Porsiles trotz des Erfolges in Wien vergessen wurde. „Porsile hatte aus Neapel die neuesten Operntendenzen mit nach Wien gebracht und sie dort auf eine ganz eigene Weise weiterentwickelt“, so Opernchef Feuchtner - das Stück handle nicht von dem revolutionären Gla-diatorenführer, als der er im 20. Jahrhundert in Politik (Spartakusbund), Film (Kubrick) und Ballett (Chatschaturjan) zum Mythos wurde, sondern dem Kaiserhof präsentierte man die Geschichte eines angemaßten Herrschers, der der gerechten Strafe nicht entgeht. In diesem Fall wird er allerdings nicht an der Via Appia gekreuzigt, sonder verfällt dem Wahnsinn - „und diese großartige Wahnsinnsszene war es, die als Bravournummer für Tenöre präsent geblieben war“, wie überhaupt das gleichmäßig hohe Niveau der Musiknummern dieser Oper erstaunlich sei. „Mich interessieren vor allem die unterschiedlichen Blickwinkel auf die römische Geschichte. Sie ziehen sich durch die Zeiten und lassen den Stoff heute topaktuell erscheinen”, so von zur Mühlen. Die Opern-Vorstellungen werden umrahmt von Konzerten international bekannter Barockspezialisten, u.a. der Berliner Lautten Compagney - die Sopranistin Annika Ritlewski, neues Ensemblemitglied und Vetturia in „Spartakus“, wird mit dem Ensemble der „Compagney“ im Rokokotheater ein „Concerto Veneziano“ mit Concerti und Arien von Antonio Vivaldi präsentieren. Michael Form tritt mit seinem neugegründeten „Orchestre Atlante“ mit dem Konzertabend „Oper ohne Worte“ im Mozartsaal auf - mit Instrumentalwerken der wichtigsten Neapolitaner Komponisten der Porsile-Zeit. Drei Konzerte in der Schlosskapelle sind „Kostbarkeiten des deutschen Barock“ mit Werken von Bach und Telemann gewidmet, der Cembalist Dirk Börner gibt ein „Weihnachtskonzert” mit Stücken von Bach, Couperin, Muffat und anderen. Auch die historische Orgel der Schlosskapelle wird wieder erklingen: Der Barock-Spezialist Ludger Rémy spielt Musik der „Preußischen Empfindsamkeit”, für die das Instrument so sehr geeignet ist. - Programm und Karten unter www.theater.heidelberg.de.
|