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Christian Thielemann geht nach Dresden Drucken E-Mail
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Christian Thielemann wird ab der Saison 2012/13 die Position des Chefdirigenten bei der Staatskapelle Dresden übernehmen - darauf verständigten sich Anfang Oktober die Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine Freifrau von Schorlemer, Thielemann selbst, die designierte Intendantin der Semperoper Ulrike Hessler und der Orchestervorstand der Staatskapelle Dresden. Thielemann ist der Sächsischen Staatskapelle Dresden seit längerer Zeit verbunden - bereits 2003 hatte er erstmals das Orchester in Konzerten in Dresden und Berlin dirigiert. Viele Musiker der Staatskapelle Dresden musizieren außerdem regelmäßig mit Thielemann als Mitglieder des Bayreuther Festspielorchesters, in dem die Staatskapelle seit Jahren den größten Musikeranteil stellt. Mitte September dieses Jahres hatte Thielemann außerdem kurzfristig für den erkrankten Fabio Luisi die Leitung des 2. Sinfoniekonzertes der Sächsischen Staatskapelle in der Semperoper übernommen und erfuhr für seine Interpretation der achten Sinfonie von Anton Bruckner bei Presse und Publikum gleichermaßen große Zustimmung. „Da fragte man mich, ob ich denn, falls das Orchester wolle, wohl auch wollen würde?“, so Thielemann in einem Interview mit Julia Spinola in der FAZ. „Und ich antwortete: ‚Natürlich will ich, aber das Orchester muss den Heiratsantrag machen.’ Daraufhin hat sich das Orchester sehr eindeutig für mich entschieden.“ Er freue sich darauf, in Dresden auch Oper zu dirigieren - „das beansprucht einen natürlich immer stärker, aber dafür habe ich dann ein Orchester, mit dem man in der Oper schneller zu Ergebnissen kommt. Wenn wir also den ‚Ring’ spielen, werden wir sehr viel weniger proben müssen.“ Auf die Frage, ob er in Dresden sein Repertoire erweitern werde, antwortete Thielemann: „Ich liebäugle seit Jahren mit Schostakowitsch, war aber bislang noch nicht vorgedrungen, weil so viele andere Kollegen damit beschäftigt sind. Jetzt denke ich, ich könnte mir das auch einmal vornehmen. Überhaupt reizt mich das russische Repertoire sehr - auch über eine gelegentliche Symphonie von Tschaikowsky hinaus. Und in der Oper möchte ich gerne späten Verdi dirigieren, das habe ich schon immer gewollt.“
Als neuer Chefdirigent der Staatskapelle Dresden löst er Fabio Luisi ab, der 2012 als Generalmusikdirektor an das Opernhaus Zürich wechselt. Der Vertrag mit Thielemann soll Mitte November unterschrieben werden; bereits im Februar nächsten Jahres kehrt er an das Pult der Dresdner Staatskapelle zurück, um im Rahmen der alljährlichen Gedenkkonzerte am 13. und 14. Februar Beethovens „Missa solemnis“ in der Semperoper zu dirigieren. „Mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle erfüllt sich für mich ein Traum“, so Thielemann: „Mein Mentor Herbert von Karajan verglich den Klang dieses einzigartigen Orchesters einmal mit ‚Glanz von altem Gold’. Besser kann man dies gar nicht in Worte fassen! Schon in der ersten Probe zu den Konzerten mit der achten Sinfonie von Bruckner konnte ich erneut erleben, über welch singuläre Qualitäten die Staatskapelle verfügt. Hier spielt natürlich auch die Erfahrung im Operngraben eine maßgebliche Rolle, aus der ein Ensemblegeist und eine Flexibilität resultieren, die ein reines Konzertorchester kaum erreichen kann. Ich freue mich außerordentlich auf die gemeinsame Arbeit in den kommenden Jahren.“
Zu den Auseinandersetzungen um Thielemanns Chefposten bei den Münchner Philharmonikern (wir berichteten) äußerte der Dirigent lediglich, der Prozess sei „von der Dresdner Entscheidung überholt“ worden: „Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Sache in München weiterkam. Die Stadt hat den Fehler begangen, sich zu schnell auf die Forderungen des Orchesters einzulassen. Sie hätten besser erst einmal prüfen sollen, ob eine solche Einschränkung der Entscheidungsmacht des Generalmusikdirektors überhaupt allgemein üblich ist. Dann hätten sie nämlich sehr schnell festgestellt, dass es das nirgends anders gibt.“ Seinen noch bis 2011 laufenden Vertrag in München werde er „selbstverständlich“ noch erfüllen: „Wir sind doch professionell. Ich glaube sogar, dass es sehr entspannt wird. Das Orchester und ich haben schließlich immer sehr gut zusammengearbeitet. Das große Rätsel dieser ganzen Geschichte ist doch, warum man auseinandergeht, obwohl man künstlerisch alles andere als zerstritten ist.“