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Wuppertal: Großkundgebung am Welttheatertag Drucken E-Mail
Kulturpolitik

Die Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein lädt anlässlich der beabsichtigten Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses alle im Bühnenverein versammelten Theater zu einer Großkundgebung am Welttheatertag 2010 am 27. März nach Wuppertal ein. Mit einem kurzen künstlerischen Beitrag sollen die Theater auf die dramatische Situation der Kommunen hinweisen - das beschloss die Intendantengruppe bei ihrer Sitzung im Deutschen Theater in Berlin. Die Schließung des Wuppertaler Schauspielhauses wäre nach der Schließung des Schillertheaters in Berlin „ein verheerendes Signal für den Zusammenbruch des deutschen Theatersystems“, heißt es in der Pressemitteilung. Das Wuppertaler Schauspielhaus ist eines der bedeutendsten Theaterneubauten der letzten fünfzig Jahre - es ist verbunden mit einer großen Schauspieltradition und mit Namen wie Arno Wüstenhöfer, Peter Zadek, Hans Bauer und Pina Bausch, die in diesem Haus einige ihrer visionären Meisterwerke uraufgeführt hat. „Ein halbes Jahr nach ihrem Tod scheint das Vorhaben der Schließung unfassbar, zumal der Einspareffekt angesichts des Haushaltsdefizits als marginal bezeichnet werden kann.“ Die Intendantengruppe unterschätze nicht die dramatische wirtschaftliche Lage der Stadt Wuppertal, wie die vieler anderer Städte besonders in Nordrhein-Westfalen, doch legt die Schließungsabsicht einen Zustand offen, der das Gemeinwesen der Bundesrepublik gefährdet, heißt es in der Mitteilung weiter. „Die Finanz- und Steuerpolitik insbesondere des Bundes nimmt billigend in Kauf, dass unsere Städte verwahrlosen. Dabei wird übersehen, dass die Städte und Gemeinden die Basis für eine lebendige Demokratie sind und dass die Unterhöhlung der kommunalen Selbstverwaltung einem Anschlag auf die Demokratie in unserem Lande gleichkommt.“
Angesichts der dramatischen finanziellen Lage der NRW-Städte plädierte das Kultursekretariat NRW (der Zusammenschluss der Städte mit eigenen Bühnen) übrigens vor kurzem für einen Bestandspakt: Fünf Jahre lang soll das Land die Fortführung der Theater garantieren, damit die einzigartige Bühnenlandschaft nicht der „Krisenpanik“ geopfert werde. Die Mittel des Landes sollen zweckgebunden fließen, damit sie nicht einfach „in anderen Löchern verschwinden“ - dagegen wehrten sich allerdings viele Kommunen, weil sie ihre Eigenständigkeit in Gefahr sehen; die ist in Zeiten der Haushaltssicherung allerdings ohnehin Makulatur.
Außerdem hat das Land NRW ein externes Gutachten in Auftrag gegeben, das die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen den bergischen Großstädten Wuppertal, Solingen und Remscheid (die beiden letzteren unterhalten Bespieltheater ohne eigenes Ensemble und haben ihre Orchester schon Mitte der neunziger Jahre zu den „Bergischen Symphonikern“ fusioniert) prüfen sowie verschiedene Modelle erarbeiten soll - so das Ergebnis eines Gesprächs, das Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff mit den Oberbürgermeistern der drei Kommunen geführt hat; im Sommer sollen die Ergebnisse bereits vorliegen. Untersucht werden die Bereiche Oper, Schauspiel und Konzertwesen auf der Basis der bereits bestehenden Zusammenarbeit; das Tanztheater Pina Bausch bleibt aus der Expertise ausgeklammert. Trotz der Finanznot sieht der Deutsche Bühnenverein Theaterzusammenschlüsse zwischen großen Städten skeptisch - Fusionen hätten allenfalls in ländlicheren Regionen Sinn, so der geschäftsführende Direktor Rolf Bolwin.