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Kein Staatstheater in NRW Drucken E-Mail
Kulturpolitik

In Nordrhein-Westfalen wird es auf absehbare Zeit kein Staatstheater und keine Staatsphilharmonie geben - die Landesregierung hat diese Vorschläge der Expertenkommission „Kunst NRW“ verworfen. Stattdessen erhalten die namhaften Theater in Essen und Köln drei Jahre lang zusätzliche Finanzspritzen von jährlich je 300.000 Euro, wie Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff im März in Düsseldorf bekanntgab. Wenige Wochen vor Ende der Legislaturperiode verabschiedete das Kabinett den Bericht zur Umsetzung der teilweise umstrittenen Vorschläge der Kulturkommission aus dem Jahr 2008 - Ziel ist, die Kultur in NRW bundesweit und international stärker zu profilieren.
„Wir haben in der Theaterlandschaft derzeit andere Sorgen, als Staatstheater zu errichten“, sagte Grosse-Brockhoff mit Blick auf die Finanznot der Kommunen, die viele Kultureinrichtungen in ihrer Existenz bedroht. Auch ein Staatsorchester habe keine Priorität; in NRW wäre es zudem schwierig zu sagen, welches Orchester als „Nummer eins“ in Frage käme. Die zehnköpfige Experten-Kommission hatte vorgeschlagen, das Gürzenich-Orchester Köln in eine Staatsphilharmonie umzuwandeln. Nach Angaben des Präsidenten der Kunststiftung NRW, Fritz Schaumann, soll das von Claudio Abbado mitgegründete Mahler-Chamber- Orchestra darin unterstützt werden, seine Residenz in NRW aufzubauen. Neben Aufführungen in Dortmund, Köln und Essen werde es sich besonders auch in der Ausbildung von Orchestermusikern engagieren. Die Landesregierung unterstützt auch den Aufbau eines Pina- Bausch-Tanzarchivs in Wuppertal. Außerdem befürwortet sie die Gründung eines Literaturzentrums in Münster, das ähnlich wie das Deutsche Literaturinstitut an der Uni Leipzig auch eine Ausbildungsstätte für das Schreiben sein soll. Westfalen hatte sich in dem 2008 vorgelegten Kulturgutachten der Kommission, die vom früheren Bahnchef Heinz Dürr geleitet wurde, zurückgesetzt gefühlt.