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Eysoldt-Ring für Barbara Nüsse Drucken E-Mail
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Schauspielerin für ihre Darstellung des „König Lear” in Köln ausgezeichnet/Regie-Förderpreis für Tilmann Köhler

Barbara Nüsse wird im März in Bensheim mit dem Eysoldt-Ring ausgezeichnet und ist damit bereits die 24. „Ringträgerin“: Wie die Schauspielerin, beileibe nicht der erste weibliche Lear, die Rolle in Karin Beiers Kölner Inszenierung des Shakespeare-Dramas anlegte, sorgte für Aufsehen und trug ihr jetzt den bedeutendsten deutschen Schauspielerpreis ein. Das teilte Anfang Februar die Stadt Bensheim mit, die den Preis gemeinsam mit der Akademie der Darstellenden Künste vergibt. Die mit 10.000 Euro verbundene Auszeichnung wurde von dem 1981 verstorbenen Theaterkritiker Wilhelm Ringelband, einem Verehrer der Schauspielerin Gertrud Eysoldt, gestiftet; im vergangenen Jahr hatte Klaus Maria Brandauer den Ring entgegengenommen. Für Nüsse, die gerade erst ihren 67. Geburtstag feiern konnte (sie wurde am 17. Februar 1943 in Essen geboren), ist es nicht der erste, wenn auch vielleicht der bedeutendste Preis: 1980 wurde sie von Theater heute zur Schauspielerin des Jahres gewählt, damals für ihre Darstellung der Leonore d’Este in Claus Peymanns „Tasso“-Inszenierung; 2006 erhielt sie den Rolf-Mares-Preis für ihre Darstellung der Virginia Woolf in „Vita und Virginia“ (Hamburger Kammerspiele); für ihre Lesung von Fred Vargas’ Hörbuch „Der verbotene Ort“ wurde sie mit dem Internationalen Buchpreis „Corine“ geehrt. Als „wahnsinnig-weiblicher“ König Lear zeichne sie „insbesondere das hohe Maß an Dringlichkeit aus, mit dem sie versucht, auf den existenziellen Grund der vor ihr verkörperten Personen zu stoßen“, heißt es in der Begründung der von Peter Iden geleiteten Jury des Eysoldt-Preises. Die Kritik sprach von einer „grandiosen Barbara Nüsse“ und einem „mimischen Ereignis“; ein Rezensent schrieb über die Kölner Aufführung, die als Spielzeiteröffnung der laufenden Saison am 26. September Premiere hatte: „Wie Nüsse dies spielt - die schnarrende Arroganz und Ignoranz der Macht, die Schrullen des Alters und dann den Irrsinn, der den schmächtigen Leib durchzittert - das sollte man gesehen haben.“ Kann man auch noch: Karin Beiers Inszenierung, in der alle Rollen von Frauen gespielt werden, steht noch bis 26. März auf dem Kölner Spielplan. Im Akademietheater des Burgtheaters Wien ist Nüsse derzeit auch in Matthias Hartmanns von Bochum nach Wien mitgenommener Inszenierung der „Todesvariationen” von Jon Fosse an der Seite von Hans-Michael Rehberg zu sehen.
Die derzeit in Hamburg lebende Schauspielerin begann ihre Karriere nach der Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München am Berner Atelier-Theater; danach war sie u.a. am Bayerischen Staatsschauspiel, am Württembergischen Staatstheater in Stuttgart, an den Schauspielhäusern in Bochum und Hamburg, am Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Zürich, an den Münchner Kammerspielen und dem Burgtheater Wien engagiert und arbeitete mit Regisseuren wie Niels-Peter Rudolph, Wilfried Minks, Claus Peymann und Hansgünther Heyme zusammen. Seit 1986 ist sie überwiegend freiberuflich tätig und spielt auf vielen bedeutenden Bühnen; sie gilt als besonders vielseitige Darstellerin und ausgezeichnete Hörbuch-Sprecherin. Besondere Aufmerksamkeit fand sie mit eigenen Projekten, darunter ihre szenische Umsetzung des Monologs von Molly Bloom aus dem letzten Kapitel des Romans „Ulysses“ von James Joyce (unter dem Titel „Penelope“). Auch in Kino- und Fernsehfilmen („Das Beil von Wandsbek“, „Der Schuss“, „Juls Freundin“, „Teufelsbraten“) war die Schauspielerin zu sehen.
Der Eysoldt-Ring wird am 20. März in Bensheim vergeben, am Tag danach findet wieder eine Matinee mit der Preisträgerin bzw. den Preisträgern statt: Beim Festakt im Parktheater erhält nämlich auch Tilmann Köhler, Jahrgang 1979, den mit 5.000 Euro dotierten Kurt-Hübner-Preis - dieser Förderpreis für junge Regisseure würdigt seine Brecht-Inszenierung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“, die im Oktober 2009 am Staatsschauspiel Dresden Premiere hatte. Der 1979 in Weimar geborene Köhler war zunächst Spieler, Regieassistent und später Regisseur an der TheaterFABRIK des Theaters Altenburg-Gera. Von 2001 bis 2005 studierte er Regie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch” Berlin - im Rahmen des Studiums entstand u.a. die Inszenierung „Coephoren” im BAT-Studiotheater Berlin, die 2004 mit dem Bensheimer Theaterpreis („Woche junger Schauspieler“) ausgezeichnet wurde; es ist also sozusagen die zweite Bensheimer Auszeichnung für den jungen Regisseur. Sein Diplomstück „Penthesilea” von Kleist war für den „Friedrich-Luft-Preis 2005” nominiert. Von 2005 bis 2008 war er Hausregisseur am Deutschen Nationaltheater Weimar - dort inszenierte er u.a. „Der Drache” von Jewgeni Schwarz, „Krankheit der Jugend” von Ferdinand Bruckner (eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2007) sowie Shakespeares „Othello“. Derzeit ist er Hausregisseur am Staatsschauspiel Dresden, arbeitet aber auch für das Maxim-Gorki-Theater Berlin. Zu seinem Neuanfang am Staatsschauspiel Dresden sei ihm wieder „eine großartige Arbeit gelungen“, so Klaus Völker, der den Regiepreis verantwortet, in seiner Begründung.
Wie außerdem zu erfahren war, kam vom neuen Akademie-Präsidenten Hermann Beil der Vorschlag, interessante Künstler der Akademie für eine kleine Veranstaltungsreihe nach Bensheim zu holen und damit auch die Präsenz der Akademie in der Stadt zu stärken. Ebenso begrüßt wurde die Idee, im Rahmen des Hessentages - sofern die Stadt Bensheim den Zuschlag erhält - durch die Akademie einen Theatertag anzubieten, an dem „die ganze Stadt zur Bühne wird“, so Akademiepräsident Beil.
Seit 1986 vergibt die Stadt Bensheim zusammen mit der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste den Gertrud-Eysoldt-Ring, ein Vermächtnis des 1981 in Bensheim verstorbenen Theaterkritikers Wilhelm Ringelband, der den Namen der von ihm verehrten Max-Reinhard-Schauspielerin (1870-1955) mit einer Auszeichnung verbunden sehen wollte. Der Preis, der jeweils mit 10.000 Euro dotiert ist, wird für eine herausragende schauspielerische Leistung auf einer deutschen Bühne vergeben.