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In Neon: Julia Kandzora gewinnt Leonhard-Frank-Preis Drucken E-Mail
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„Amok“ lautete das Thema der diesjährigen Ausschreibung zum Leonhard-Frank-Preis, der bereits zum 4. Mal vom Mainfranken Theater Würzburg in Zusammenarbeit mit der Leonhard-Frank-Gesellschaft vergeben wurde. Am Ende der Langen Nacht der Autoren am 11. Juni, bei der die drei Finalisten in Szenischen Lesungen präsentiert wurden - neben „In Neon“ auch „burn motherfucker“ von Jeanne Dark und „Frau Koma kommt“ von Valentin Werner -, entschied sich die 5-köpfige Jury für Julia Kandzora und ihr Stück „In Neon“. Der Leonhard-Frank-Preis ist mit 4.000 Euro dotiert. Besonders überzeugte die Jury die sprachliche Präzision des Stückes und die psychologisch tiefgehende Gestaltung der Figuren. Amok ist in diesem Stück ein (Dauer-)Zustand der Gesellschaft, die Figuren stehen unter Hochdruck, man wartet nur darauf, dass sie endlich explodieren - aber das wäre vermutlich schon ein zuviel an Emotion in dieser von Einsamkeit und Orientierungslosigkeit geprägten Welt. „Ungeborgenheit“ nennt DER MANN im Stück diesen Zustand und fragt sich, wieder einmal vergebens auf dem Arbeitsamt wartend (Abteilung Akademiker und Schwerbehinderte), warum denn da keiner Amok läuft. Und tut es auch selbst nicht. Hin und her gerissen zwischen seinem Freund, der sich längst in einen aus Selbsthilferatgebern und Zeitgeistbibeln gespeisten Zweckoptimismus gerettet hat, der Frau, die eine Art Näheverhältnis (Beziehung) aufzubauen versucht, aber an der Überwindung der Distanz scheitert, und einer körperlosen Stimme, die mit ihren existentiellen Fragen die Einsamkeit und Verlorenheit des Mannes nur noch deutlicher sichtbar macht. Im Hintergrund scheinen Bilder auf, die man aus dem Alltag kennt: ein Mädchen vor dem Joghurtregal in absoluter Überforderung, sich für eine Sorte zu entscheiden, das schließlich vor dem Obstregal daran scheitert, die Plastiktüte zu öffnen, um dann an der Kasse zu erkennen, dass das Gerät seine  Geldkarte nicht akzeptiert. Wie der einsame Hund, der immer wieder durch das Bild schleicht, werden diese kleinen Alltagsszenen symptomatisch für die Gesellschaft.
Die 27-jährige Julia Kandzora, gebürtige Hamburgerin, studierte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig „Literarisches Schreiben“ mit dem Hauptfach „Prosa“ auf Diplom. Kandzora schreibt Dramen, Lyrik und Prosa und veröffentlichte bereits das Kinderbuch „Sternenbrüder“ und einen Gedichtband sowie einige Aufsätze in Zeitschriften und Anthologien. Heute lebt und arbeitet Julia Kandzora in Berlin. 2008 gewann sie den Kurzdramenwettbewerb am Schauspielhaus Hamburg und nahm 2009/10 an „Drama Pool“, einem Projekt des Verlags Proscript, mit dem Stück „Zweite Haut“ teil. Mit „In Neon“ war sie in diesem Jahr bereits zu den Autorentheatertagen des Deutschen Theaters Berlin eingeladen, wo ihr Stück in einer Werkstattinszenierung präsentiert wurde.