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Theater von Anfang an: Fachforum zeigt Chancen und Risiken der Kunstform für die Allerkleinsten Drucken E-Mail
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„Theater von Anfang an ist eine Inspirationsquelle für die Entwicklung der Kunst schlechthin“ - so resümierte Ingrid Wolff, künstlerische Leiterin von „Stichting 2+“ (Amsterdam), ihre Erfahrungen mit der auch in den Niederlanden noch jungen Theaterform. Für viele Künstler entwickle sich die Arbeit für ein so junges Publikum zu einer überraschenden, wertvollen Erfahrung, die sie als Bereicherung für ihre künstlerische Arbeit insgesamt erachteten. Die Expertin war Gast des Forums „next steps“ Ende April im Helios Theater in Hamm, bei dem rund 35 Teilnehmer aus Deutschland über die aktuelle Situation und die Entwicklungspotenziale des Theater von Anfang an debattierten. Ehemalige Partner des Modellprojekts, aber auch Interessierte und „Neustarter“ trugen in Hamm vielfältige Tendenzen zusammen und bestätigten, dass Theater von Anfang an sich zu einem wichtigen Bestandteil der deutschen Kindertheaterlandschaft entwickelt hat - mehr als 30 Theater haben aktuell entsprechende Angebote im Programm, Tendenz steigend.
Das Helios Theater Hamm beispielsweise ist konsequent auf internationaler Ebene aktiv und über „Small Size, the European Network for the diffusion of performing arts aimed at early childhood (0-6)“ mit neun weiteren europäischen Ländern vernetzt (auf Seite 8 drucken wir ein Interview mit der künstlerischen Leiterin Barbara Kölling ab). Das Theater Junge Generation in Dresden nimmt mittlerweile die vierte Produktion für Menschen ab zwei Jahre sowie ein zweites nationales Festival für die Allerkleinsten im kommenden Jahr in Angriff. In der sächsischen Hauptstadt wird auch der erste Theaterkindergarten mit dem Namen „Funkeldunkel“ eingerichtet. In Mannheim setzt der schnawwl das „Baby Tanz Fest“ und die theaterpädagogische Vernetzung fort, außerdem wird eine Publikation zum Thema „Theaterspielen mit Kleinkindern“ beim Cornelsen Verlag erscheinen. Das Berliner Theater Zinnober plant, in den nächsten drei Jahren einen Schwerpunkt auf das Theater für die Allerkleinsten zu legen und strebt für 2011 ein internationales Publikumsfestival an. In Braunschweig ist das Theater Fadenschein aktiv geworden: Es wird im Oktober 2010 im Rahmen des internationalen Festivals mit Figuren „Weitblick“ ein Symposium zum Thema Theater von Anfang an etablieren.
Alle Theater berichteten bei „next steps“ von einem sehr großen Andrang bei Aufführungen und starkem öffentlichem Interesse am Thema. Beachtlich sei, dass auch Menschen, die bislang kaum Kontakt zu Theater hatten, über Theater von Anfang an Zugang fänden. Ein Stolperstein ist nach Meinung des Forums nach wie vor die Unterschätzung der Fähigkeiten von Kleinkindern, die dazu führe, dass ihnen der Genuss von Kunst nicht zugetraut wird. In der Umsetzung des gesellschaftlichen Paradigmenwechsels hin zu einer Vorstellung des Kindes als einem ernstzunehmenden und ebenbürtigen Menschen sehen die Teilnehmer großen Handlungsbedarf.
Vor dem Hintergrund der rasanten Entwicklung stellte Silvia Brendenal, Intendantin der Schaubude Berlin, auch fest: Der Markt „schlägt zu“ - sie machte auf die sich abzeichnende Gefahr der schnellen Produktion einfach gestrickter, anspruchsloser Veranstaltungen und deren übereifrigen Verkauf ohne Berücksichtigung der ästhetischen wie strukturellen Besonderheiten dieser Theaterform aufmerksam. Eine Möglichkeit, die künstlerische Entwicklung des Theater von Anfang an weiter voranzutreiben, bietet die Kooperation verschiedener Künste, vor allem Tanz und Bildende Kunst. Im November wird im Theater Junge Generation in Dresden ein Theaterlaboratorium mit dem Arbeitstitel „Frühe Kindheit“ stattfinden.