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Bensheimer Theaterpreis für "Frühlings Erwachen" Drucken E-Mail
Montag, 08. Juni 2009 um 01:00 Uhr
Düsseldorfer Schauspielhaus erhält Jury- und Publikumspreis

Der jährlich zum Ende der „Woche junger Schauspieler” in Bensheim verliehene, mit 3.000 Euro dotierte Theaterpreis geht in diesem Jahr an das Eröffnungsstück „Frühlings Erwachen! (Live Fast - Die Young)” von Nuran David Calis nach Frank Wedekind, das Gerald Gluth am Düsseldorfer Schauspielhaus inszeniert hat (Dramaturgie Kirstin Hess). Zum Ende der 14. „Woche”, die unter der Schirmherrschaft des diesjährigen Eysoldt-Preisträgers Klaus Maria Brandauer stand, begründete die Jury (der stellvertretende Direktor des Kinder- und Jugend-Theaterzentrums Henning Fangauf, Präsidiumsmitglied der Akademie der Darstellenden Künste Christoph Buggert und eine Bensheimer Theaterfreundin) ihre Entscheidung im Bensheimer Parktheater wie folgt: Die Inszenierung betone die Zeitlosigkeit von Wedekinds Drama und sei „überzeugendes, rasantes Theater”, das insbesondere auch ein junges Publikum anspricht. „Der Untertitel dieser modernen Fassung von Frank Wedekinds Kindertragödie aus dem Jahr 1891 von Nuran Calis lautet: ‚Live Fast - Die Young'. Das Ensemble des Jungen Düsseldorfer Schauspielhauses löst die Ankündigung überzeugend ein. In knapp zwei Stunden Spieldauer erleben wir auf beeindruckende Weise ‚schnelles Leben' und ‚frühen Tod'. Die jungen Schauspieler, sie alle, spielen wahrlich um das Leben ihrer Figuren. Der Inszenierung von Gerald Gluth gelingt es, die Zeitlosigkeit von Wedekinds Drama herauszuarbeiten. Die Aufführung spricht sowohl die Erwachsenen an, insbesondere jene, die sich in einer Erzieher-Situation befinden, als auch - und das ist das Entscheidende - die jugendlichen Zuschauer. Gerade sie werden durch die rasante Spielweise in Bann gezogen und erfahren, dass sie mit ihren widersprüchlichen Gefühlswelten verstanden werden. In einem im metaphorischen Sinne des Wortes abgründigen Bühnenbild entwickelt das Ensemble eine extreme Intensität. Dieser kann das Publikum sich nicht entziehen. Das Ensemble lässt uns mitleiden und mithoffen, wir fühlen uns einbezogen und angesprochen. Alle Schauspieler sind dauernd auf der Bühne präsent und nehmen die Zuschauer mit auf eine Reise in die Gefühlswelten heutiger Kinder, die auf der Schwelle zur Jugend stehen.”
In diesem Jahr deckte sich die Meinung der Jury auch mit dem Votum der Zuschauer: Nach Angaben des Bensheimer Kulturamtsleiters Berthold Mäurer fielen 96 Prozent der positiven Bewertungen auf das Stück, das mit Tina Amon Amonsen (Wendla), Alexander Steindorf (Melchior), Christof Seeger-Zurmühlen (Moritz), Friederike Linke (Frau Bergmann), René Schubert (Herr Stiefel), Viola Pobitschka (Ilse), Sina Ebell (Martha) und Bastian Sierich (Hans) besetzt war.
Eine lobende Erwähnung der Jury ging an Regisseur Marc Wortel für seine Berliner Inszenierung von „Hundeherz” (nach Michail Bulgakow, Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin): Durch die Verwendung biomechanischer Schauspielmethoden habe er wirkungsvoll Elemente des Meyerholdschen Theaters dem Publikum näher gebracht. Sein Interesse und seine Begeisterung für diesen wichtigen Abschnitt der Theatergeschichte habe er nicht nur dem Ensemble, sondern auch den Zuschauern plastisch vermittelt.
Günther Rühle, einer der Initiatoren der Woche und seit dem Beginn im Jahr 1996 für die Auswahl der eingeladenen Inszenierungen verantwortlich (am 3. Juni hat er übrigens seinen 85. Geburtstag gefeiert), wurde in diesem Jahr verabschiedet - der neue Akademiepräsident und ehemalige Bremer Intendant Klaus Pierwoß wird künftig gemeinsam mit Klaus Völker - er verantwortet den Regiepreis des Eysoldt-Preises - die Woche junger Schauspieler programmatisch gestalten. Rühle habe stets eine mutige Auswahl aktueller Inszenierungen gebucht und der Reihe abseits des Theater-Mainstreams ein prägnantes Gesicht gegeben, so Pierwoß - „die Latte liegt sehr hoch”. Der Ehrenpräsident der Akademie, dessen Name der Bensheimer Theaterpreis übrigens in Zukunft tragen wird, verabschiedete sich mit einem optimistischen Ausblick auf die deutsche Theaterszene: Das Publikum habe gehaltvolle und lebensnahe Stücke erlebt, die Hoffnung auf eine Wiederkehr „geistig potenter Stoffe” machten, so Rühle.