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"Bakchen"-Inszenierung und Anke Stedingk bei den Hessischen Theatertagen ausgezeichnet Drucken E-Mail
Dienstag, 30. Juni 2009 um 01:00 Uhr
Preise nach Kassel und Dortmund

Gleich in zwei Kategorien ist das Staatstheater Kassel Mitte Juni bei den Hessischen Theatertagen 2009 in Marburg ausgezeichnet worden: Der Preis für die beste Inszenierung ging an die „Bakchen” in der Regie von Gustav Rueb, den Preis für die beste schauspielerische Leistung erhielt Anke Stedingk (die Preise sind jeweils mit 3.500 Euro dotiert). In der Begründung der Jury, bestehend aus Kristina Stockmann ( „Freundeskreis Hessisches Landestheater Marburg e.V.”), Kariona Kupka (Fachdienst Kultur der Universitätsstadt Marburg) und Herbert Fuchs (Theaterkritiker), hieß es zu Gustav Ruebs Inszenierung u.a.: „In der Aufführung verbinden sich in eindrucksvoller Weise Bilder, wahre ‚Blutbilder', die zu einer fremden, bedrohlichen und archaischen Welt gehören, mit Bildern aus unserer Zeit der fünfziger und sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Das Archaische in Gestalt des Dionysos und seiner Bakchen bricht in die moderne Welt aus Langeweile, Biederkeit und schäbiger Gewöhnlichkeit mit einer alles sprengenden Urkraft herein, verändert alle und alles und lässt am Ende gebrochene Menschen zurück. (…) Die Kasseler Inszenierung, in der Text, Bühnenbild und hervorragende Schauspielerleistungen eine große Wirkung entfalten, zeigt die verstörende Aktualität des fast 2.500 Jahre alten antiken Dramas.”
Anke Stedingk überzeugte die Jury durch ihre intensive und differenzierte Darstellung der Agaue, der Mutter des Pentheus in den „Bakchen”: „Sie spielt die Wilde, die Orgiastische, die ‚Zerfleischerin', aber auch die grenzenlos Naive derart intensiv, dass man als Zuschauer geneigt ist, ihr zuzurufen, dass sie einem grausamen Irrtum aufgesessen ist und statt eines Löwen ihren Sohn erlegt hat. Aber auch den quälenden Moment der Erkenntnis weiß Anke Stedingk eindringlich zu vermitteln, als sie am Ende in all ihrem Elend als Jammerbündel auf der Bühne steht.”
Den Preis für die besten NachwuchsschauspielerInnen der diesjährigen Theatertage (3.500 Euro) verlieh die Jury dem Ensemble des Stücks „Ehrensache” von Lutz Hübner in der Regie von Alexander Brill der theaterperipherie Frankfurt: Die LaiendarstellerInnen mit Migrationshintergrund beeindruckten durch ihre authentische und überaus engagierte Spielweise. Der Sonderpreis (2.000 Euro) ging je zur Hälfte an zwei Produktionen: „Phantom Geschichte” von Nicola Unger, eine Mousonturm-Produktion, und german stage service für „Ich weiß etwas von dir, was du nicht mehr weißt” von Manuela Weichenrieder, Rolf Michenfelder und Marius Rosinski. Das Schattenspiel „Phantom-Geschichte” ‚erzählt' die Geschichte des Terroristen Carlos und einer Frau, die ihm zufällig begegnet, „in bezaubernd poetischen Bildern, unprätentiös, aber politisch deutlich”. „Ich weiß etwas von dir, was du nicht weißt” lädt zu einem Gang durch die Gassen Marburgs ein, bei dem über einen MP3-Player die Geschichte einer verlorenen Liebe erzählt wird, die für den Hörer die Stadt verändert. Zum Abschluss der 14. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche im Rahmen der Hessischen Theatertage in Marburg wurde außerdem im Theater Am Schwanhof der mit 1.500 Euro dotierte Marburger Kinder- und Jugendtheaterpreis für die beste Produktion verliehen, gestiftet vom „Freundeskreis Hessisches Landestheater Marburg e.V.”: Die siebenköpfige Jury, bestehend aus Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, hat den Preis dem Kinder- und Jugendtheater Dortmund für seine Produktion „Der Junge, der unsichtbar wurde” von Michael Ramløse (Deutsch von Volker Quandt) zuerkannt. Auf den 2. Platz kam das Danstheater AYA aus Amsterdam/Niederlande mit „Soul” ( „Seele”), den 3. Platz belegte das Hof-Theater Tromm, Grasellenbach/SETanztheater Nürnberg mit „Der Wolf und der Mond” von Roberto Frabetti (Deutsch von Brigitte Korn-Wimmer).

Zuletzt aktualisiert am Montag, 31. August 2009 um 07:54 Uhr